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Die sieben Seen Tour


Die letzte Fahrradetappe bis Bariloche ist nun erfolgreich beendet. Auf Empfehlung einiger Argentinier bin ich abweichend von der RN 40 der RN 234 durch den Lake District gefolgt.

Nach meiner Ankunft in Junin de los Andes wechsele ich tags drauf auf einen wunderbaren Campingplatz mit Blumenbeeten und Steingartenanlagen auf einer Flussinsel im Rio Chimehuin (6$). Die Fahrt zum Nationalpark Lanin an den Lago Huechulafquen ist ein erster Test, 60 km nur auf Schotterstraße zu fahren, allerdings mit leichtem Tagesgepäck. Mein Treckingrad ist wegen der schmalen Reifen grundsätzlich schlecht für unbefestigte Wege geeignet. Entsprechend versinken die Reifen dann auch im losen Sand oder größere Steine schlagen bis auf die Felge durch (immer mit der Gefahr der Schlauchquetschung...).

Der Seeblick mit dem vergletscherten Vulcano Lanin im Hintergrund lohnt aber die Mühe. Ansonsten bleibt das Rad ohne Panne. Allerdings sind das Rad und ich mit einer gleichmäßigen Staubschicht bedeckt.

Die Weiterfahrt nach San Martin de los Andes (SMA) ist dann wieder ein Kampf mit dem patagonischen Wind. Zum Glück beträgt die Gesamtstrecke nur 41 km. Die JH ist für Wochen vorausbelegt. In einem Albergue (mit Mehrbettbelegung) komme ich trotzdem für 13$ unter.

SMA ist ein sehr gepflegter Sommer-Ferienort mit dem Versuch, architektonisch wenigstens im Zentrum ein positives Bild abzugeben: Viele Häuser sind in Holzbauweise erstellt oder wenigstens verblendet. Vor den Geschäften gibt es vielfach Arkaden. Die Hauptstraße ist beruhigt.

Den Sonntag verbringe ich mit einen Luxusausflug auf dem Lago Lacar: Für 30$ gibt's eine ganztägige Bootsreise mit Erklärungen und verschiedenen attraktiven Zwischenstopps. Der Lago Lacar fließt als einziger argentinischer See bereits in den Pazifik. Entsprechend niedrig ist hier der Andenübergang auf ca. 700 m. Nach einer Panoramatour über die angrenzenden Berge geht's Di weiter auf den Sieben-Seen-Weg. Der erste Abschnitt führt an 4 verschiedenen kleineren Seen vorbei, jeweils mit beeindruckendem Panorama mit verschneiten Andengipflen im westlichen Hintergrund. Der Wind hält sich in Grenzen.

Die Nacht verbringe ich auf einen Camping Agreste, d.h. mit kleinem Klohäuschen als einziger Infrastruktur dafür aber direkt am Seeufer des Lago Falkner. Eine beeindruckende Abendstimmung und ein herrlicher Sternenhimmel lassen die Kälte verschmerzen. Mein Schafsack muss zum erstenmal zeigen, dass er auch bei wenigen Grad Außentemperatur noch warm hält.

Die nächste Etappe ist nun 41 km Schotterstrasse, zum erstenmal mit vollem Gepäck (mindesten 30 kg). Sehr langsam, nicht nur bergauf sondern bei schlechtem Straßenzustand auch bergab schiebend kämpfe ich mich vorwärts. Der heftige Ausflugs- und Busverkehr erzeugt Staubwolken, die sich nur selten ganz legen. Eine dicke Staubschicht überzieht das Gepäck. Der Straßenzustand wird zunehmend schlechter, bisweilen ist die Straße so steil, dass ich schiebend mit den Schuhen wegrutsche.

Zwei ausgiebige Pausen, um Kraft und Motivation wiederherzustellen, erlauben dennoch das Ziel zu erreichen. Die letzten 10 km auf der asphaltierten RN 231 bis Villa La Angostura sind eine Erholung.

Dort übernachte ich wieder auf dem Campingplatz (6$). Ein Tagesausflug auf die Halbinsel Quetrihue führt zum Nationalpark Los Arayanes. Eigentlich ist auch dieser Weg nur für MTB gedacht. Mein Fahrrad hält auch das durch.

Die letzte Etappe nach Bariloche geht um den östlichen Teil des Lago Nahuel Huapi herum. Immer wieder beeindrucken die Blicke. Die Ufer haben fast südländischen Charakter, erinnern vielfach an die Cote d'Azur. Erstaunlich dass am östlichen Seeende die Landschaft übergangslos wieder in die patagonische Steppe wechselt, während sonst im Seengebiet eher alpine Bewaldung vorherrscht.

Die JH bestelle ich mit dem Handy vor (hurra, es funktioniert...). Sie liegt 7 km westlich der Stadt in einer ruhigen, an Schweiz oder Schwarzwald erinnernden Urlaubsgegend (wenn nicht die Strassen alle unasphaltiert wären...).

Auf der Einfahrt in den Ort kommt mir gerade der Zug (!!!) nach Viedma (am Atlantik) entgegen. Er besitzt mehrere Personen- einen Schlaf- und einen Gepäckwagen, also ist der Fahrradtransport kein Problem. Allerdings fährt er nur am Freitag und am Dienstag um 18.00 Uhr. Der Rückweg ist also zur Hälfte schon gesichert.


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