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5. Tag: Dienstag, 1.10.2002
Bahntour nach Catanzaro


Ein Hauptziel meiner Reise ist eine Fahrt mit der schmalspurigen FC (Ferrovie Callabrese). Die noch stark befahrene Route von Cosenza nach Catanzaro führt an Soveria Manelli (5 km von der JH entfernt) vorbei. Dank meines Taschenkursbuchs, das ich in der Bahnhofsbibliothek in Florenz erworben habe, finde ich einen Zug um 9:00 Uhr nach Cosenza. Ich breche um 8:00 Uhr mit leichtem Tagesrucksack von der JH auf.

Am Bahnhof sind mehrere Personen im Einsatz, den Triebwagen 8:25 Uhr nach Catanzaro abzufertigen. Derweilen öffnet mir ein Bahnbedienstete auf mein Bitten den alten Güterschuppen, sodass ich mein Fahrrad dort sicher abstellen kann. Der Stationschef, der mein Fahrrad am Abend wieder befreien muss, flucht allerdings, es gebe doch keine Gepäckaufbewahrung mehr am Bahnhof.

Ein alter FIAT-Triebwagen bringt mich für 3 Euro über das Sila-Gebirge zuerst nach Cosenza .Der aufregendste Teil sind dabei die beiden Rampen, um das Tal des Fiume Savuto zu durchqueren: Tunnel und Brücken wechseln dauernd - erst 400 m runter, dann wieder rauf nach Rogliano. Der Abstieg nach Cosenza ist rasant aber unspektakulär. In den langen geraden Tunnels lässt der Zugführer den Triebwagen einfach ungebremst laufen. Die Schienen sind dort nagelneu auf Betonschwellen eingeschottert.

In Cosenza weist der 5-gleisige Schmalspurendbahnhof und der 6-gleisige Normalspurbahnhof auf ehemals große Pläne hin. Tatsächlich kommt pro Stunde höchstens ein Nahverkehrszug aus Paola bzw. ein Triebwagen der FC. Anschluss findet nicht statt.

Die Rück- und Weiterfahrt nach Catanzaro lege ich in einem moderneren Triebwagen zurück. Dort kann man durch ein Guckloch in der Fahrzeigtür dem Fahrzeugführer über die Schulter schauen. In Cosenza bekomme ich für diese Fahrt eine handgeschriebene (!) Fahrkarte wie in den 60iger Jahren. Zuerst hatte ich versehentlich am getrennten Buskartenschalter der FC eine Busfahrkarte erhalten, die aber nicht bei der Bahn gilt (!) Beide Büros sind mit zwei Mitarbeitern besetzte....

Die spektakuläre Rückfahrt nutze ich zum ausführlichen Fotografieren aus dem Zugfenster. Die Fortsetzung der Fahrt nach Catanzaro liefert am Ende noch einen Höhepunkt beim Abstieg zur Stadt hinab. Die Strecke hängt teilweise nur im Steilhang. Dabei gibt der Blick bei jeder Brücke das Meer frei. Ich werde an die Narvik-Bahn erinnert. Der Bahnhof Catanzaro ist wohl Betriebsmittelpunkt der FC. Ein Anschlusstriebwagen fährt noch weiter bis an die Küste. Ich bleibe jedoch für einen dreistündigen Stadtrundgang in Catanzaro, der Provinzhauptstadt von Calabria.

Die Stadt besitzt einige schöne Ecken. Vieles ist jedoch nach Zerstörung durch Erdbeben und den letzten Krieg neu gebaut. Fantastisch dagegen ist der Ausblick von der Terrassenstraße im Süden auf das ionische Meer mit den vorgelagerten Hügeln. Auf der Rückfahrt genieße ich nochmal die spektakulären Rückblicke - jetzt ohne Fotostress.

Nach Einkauf von 12 Liter Wasser in Soveria Manelli, komme ich doch erst wieder im Dunkeln zur JH. Die Hunde sind heute etwas friedlicher. Im Zimmer koche ich mir wieder mein "Weltreisemenue": Nudeln in Boullion gekocht, sodass kein Wasser mehr übrig bleibt - dazu wird, was gerade so in den Vorratsboxen übrig ist (heute zwei Scheiben Schinken und ein Stück rote Paprika), zum Schluss kurz mit den Nudel mitgewärmt.


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