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6. Tag: Mittwoch, 2.10.2002
Bivio Bonnacci - Roccelletta - Tour zum ionischen Meer (46 km)


Vor dem Fenster grüßt wieder ein stahlblauer Himmel und ein kalter Morgen wie im Schwarzwald. Das motiviert, wieder auf Tour zu gehen. Es dauert eine Weile, bis alles wieder für die große Tour richtig verstaut ist. Um 9:00 Uhr geht es los - weiter auf der SS19. Nach kurzem Abstieg zum Bahnhof von Decollatura steigt die Straße nochmals mächtig an. In San Pietro Apostolo habe ich zum ersten Mal einen wunderbar freien Blick zum ionischen Meer. Die Straße verläuft weiter auf dem Höhenrücken mit wunderbaren Blicken über die Berge Kalabriens. In Tiriolo verlasse ich die Bergwelt, um ins "Tiefland" hinabzusteigen. In endlosen Serpentinen verliere ich die Höhe. Wegen einer Umleitung - die Straße ist wegen Erdrutsch gesperrt - muss ich bei Pratora bereits steil hinab. Unten sind die Bremsbeläge durchgeschliffen - die Metallhalterungen kratzen auf den Felgen... Ich folge der hier abzweigenden direkten Verbindung nach Catanzaro Lido. Leider ist diese stark von LKW-Verkehr belastet.

Endlich am Meer genieße ich die Wärme und das Licht - so anders wie oben in den Bergen. Einer ausführlichen Mittagspause folgt die Reparatur der Bremsgummis. Zum Glück habe ich auch dafür Ersatzteile dabei. Ein offenes Hotel ist leider nicht zu finden. So wechsle ich in Richtung Süden über den Fluss nach Roccelletta. Beim ersten Campingplatz am Meer habe ich Glück - er ist noch offen, aber so gut wie leer. Dennoch kostet die Nacht 10 Euro. Nach dem Zeltaufbau genieße ich den Sandstrand, lese den Kalabrienführer. Darin entdecke ich, dass just hier eine neue Ausgrabungsstätte eröffnet wurde mit römischem Theater - Eintritt frei bis zum Sonnenuntergang. Sofort starte ich mit dem Rad zum "Parco Arceologico di Scrolacium". Nur 500 m vom Campingplatz entfernt liegt die aktive Ausgrabungsstätte in einem Hain uralter Olivenbäume. Das griechisch-römische Theater ist fast vollständig ausgegraben. Es fehlen zwar die Theaterrückwände - aber auf dem obersten Rang habe ich einen derart unvergleichlichen Blick über das Meer, davor der von der Abendsonne silbrig beleuchtete Olivenhain. Ich kann mich nicht satt sehen - Erinnerungen an Taormina werden wach. Die Griechen und Römer hatten ein unvergleichliches Gespür für die perfekte Einbettung eines Theaters in einen natürlichen Hintergrund. Das Amphitheater ist bisher nicht mehr als eine Delle im Olivenhain - so hat wohl manche Ausgrabung angefangen...

Erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit kehre ich zum Zelt zurück, koche mein Abendessen und schreibe nach dem Duschen beim Schein der Taschenlampe diesen Bericht. Ich freue mich auf einen "geerdeten" Schlaf - die Träume am Boden eines Zeltes sind unvergleichlich...


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