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6. Tag: Trieste - Koper - Trieste (50 km)
Mi, 08.04.2009


Heute ist Pausentag. Das Frühstück in der Jugendherberge ist eher spärlich: Brötchen, Butter, Marmelade und Kaffee.

Ich starte gegen 10 Uhr mit leichtem Gepäck für den Tag in Richtung Slowenien. Den großen Platz von Trieste (Piazza d'Italia) säumen mehrere eindrucksvolle Paläste, unter anderem der Regierung und des Lloyd-Adriatico. Ich halte kurz zum Fotografieren, verliere mich in den angrenzenden Fußgängerzonen. Als ich endlich weiterkomme, stoße ich auf das Eisenbahnmuseum von Trieste. Es ist eingerichtet im ehemaligen Endbahnhof der Wocheiner-Bahn, einer zweiten Nord-Süd-Achse Österreich-Ungarns unabhängig von Italien. Beide Bahnen treffen sich in Gorizia und Villach. Das Museum ist ein unstrukturiertes Sammelsurium italienischer Bahntechnik mit verstreuten Modellbahnanlagen, die meist nicht viel mit der Wocheiner-Bahn zu tun haben. Die meisten sind außer Funktion. Im Freigelände, den ehemaligen Bahnsteigen der noch kriegszerstörten Halle, rosten mehrere K.u.K. Dampfloks vor ich hin. Interessante italienische Wagen aus den 50er Jahren sind verschlossen und verwittern ebenfalls. Immerhin steht noch ein fahrbereiter Museumszug auf einem elektrifizierten Gleis. Wann dieser fährt, weiß jedoch niemand.

Erst gegen Mittag komme ich weiter. Die Wegweiser nach Slovenia sind zwar zahlreich, führen aber alle auf die vierspurige Schnellstraße, die für Radfahrer gesperrt ist. So muss ich mich durchfragen bis Muggia. Dort ist die Uferstraße nach Slowenien angeblich gesperrt. Ich versuche es trotzdem und komme an mehreren unnötigen Straßensperren vorbei unbehelligt über die Grenze.

Slowenien erscheint mir wie ein österreichisches Bundesland an der Adria: sehr gepflegte Häuser mit Blumengärten, sogar Tulpen. Die Einfahrt nach Koper ist umständlich, weil ich den großen neuen Container-Hafen umrunden muss. Alle Wegweiser nach Koper führen auf die Autobahn. Ich muss mich durchfragen, lande zufällig auf einem extra ausgeschilderten Radweg, der genau am etwas außerhalb gelegenen Bahnhof von Koper endet. Dort steht abfahrtbereit ein Intercity nach Maribor, der aus einer bunten Mischung von Wagen aus verschiedenen Jahrgängen und einer französischen E-Lok besteht. Der Weg vom Bahnhof zur Stadt ist zwar einfach, aber nicht beschildert.

Die Stadt hat einen venezianischen Marktplatz, ein paar an Genua erinnernde Gassen und eine Universität. Nach der Mittagspause versuche ich auf dem direkten Weg parallel zur Autobahn nach Trieste zurück zu kommen. Das gelingt nicht ohne Nachfragen.

Am Hostel steht ein junges Paar aus Berlin (Sie ist Spanierin.) mit schwer bepackten Rädern vor dem Eingang. Sie kommen heute aus Koper, wohin sie mit dem Zug gefahren sind. Ihre Radtour soll in zehn Tagen bis Villach gehen. Beim Abendessen entwickeln sich interessante Gespräche zwischen Humphrey und den jungen Deutschen.


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