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10. Tag: Pula (25 km)
So, 12.04.2009


Beim reichhaltigen Osterfrühstück in der Jugendherberge treffe ich einen Grundschullehrer aus Ludwigshafen-Oggersheim. Er arbeitet in der Grundschule im Hemshof, hat derzeit eine 4. Klasse mit 16 Schülern, die zu 100% Migrationshintergrund haben. Die Grundlagen der deutschen Rechtschreibung zu vermitteln ist schon problematisch, von Grammatik ganz zu schweigen. Aufsätze gelingen bei mehr als der Hälfte der Schüler überhaupt nicht. Seit einem Jahr wird "geklippert" - viele Schüler verstehen aber nicht einmal die Anweisungen zum Methodentraining. Auf Reisen holt er sich die Auszeit, die für das Durchhalten im Beruf notwendig ist. Fast immer reist er allein und mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch in Marokko und Argentinien war er schon. Eine Rundreise mit dem Bus durch Kroatien ist sein Vorhaben in den Osterferien. Start war in Dubrovnik, Ziel ist Trieste. Die Anreise erfolgte mit dem durchgehenden Nachtbus der Eurolines von Mannheim nach Kroatien.

Ich besuche die Ostermesse in der Kathedrale um 10.30 Uhr. Hunderte strömen aus der schmalen Kirchentür, als die Besucher der nachfolgenden Messe schon in die Kirche drängen. Der große schmucklose Innenraum zeigt den mittelalterlichen Ursprung. Der junge Pfarrer redet etwas zu viel anstatt die Osterbotschaft einfach wirken zu lassen. Danach besichtige ich das istrische Museum auf dem Kastell. Vor allem die Geschichte der Werftindustrie Pulas wird hier dokumentiert. Offenbar wurden die Werften noch zu Habsburgerzeiten geplant, alle Unterlagen sind auf Deutsch verfasst. Vom Turm des Kastell hat man einen weiten Blick auf die Stadt und die Werften.

Auf dem Rückweg komme ich zufällig zum Gottesdienstabschluss an der Franziskanerkirche vorbei. Sie hat einen schönen Hauptaltar und einen sehr idyllischen Klostergarten. Zweimal treffe ich noch den Lehrer von heute Morgen bei meiner Tour. Mittagspause mache ich in der Jugendherberge mit ausgiebigem Schläfchen.

Am Nachmittag breche ich auf zu einem Ausflug auf die Halbinsel Premantura. Die Straße dorthin findet man am leichtesten von der Ringstraße aus. Dafür, dass die Straße eigentlich nirgendwohin führt, hat sie erstaunlich viel Verkehr. Allein an dieser Straße liegen fünf große Campingplätze. Sie führt malerisch an einer kleinen Bucht entlang bis auf einen Hügel mit dem Dörfchen Premantura.

Wieder zurück in der Jugendherberge genieße ich den Sonnenuntergang auf der Terrasse beim Lesen der Einführungskapitel des Lonely Planet. Besonders die bewegte Geschichte des Landes (Römer, Karl der Große, Venezianer, Türken, Habsburger, Franzosen, Italiener) ließen dem Volk kaum Chancen, seine Freiheitsrechte zu leben. Deshalb ging die Auflösung Jugoslawiens nach Titos Tod im Wesentlichen von Kroatien aus.


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