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2. Tag: Wertheim - Margetshöchheim (ca. 90 km)
Di, 24.08. 2004


Der Himmel ist verhangen am Morgen. Das reichhaltige Frühstücksbuffet der JH baut mich etwas auf. Auch einige andere Familien auf Radtour haben hier übernachtet. Meist sind jedoch kleine Kinder dabei. Ein Vater gibt mir noch Tips für den Mainweg nach Würzburg, den er gestern mit seiner Tochter hierher geradelt ist.

Gleich hinter dem Ortsausgang beginnt der Radweg auf der linken Straßenseite. Dieser geht bald wieder in den asphaltierten Mainuferweg über. Das Mainufer zeigt hier felsige Steilabschnite. Der Radweg verläuft direkt unterhalb der Stützmauer der Straße. Homburg lasse ich rechts liegen - in Markheidenfeld weiche ich ein wenig in die Innenstadt ab. Trotz wolkenverhangenen Himmels sind die Straßencafes in der Fußgängerzone noch gut besetzt.

Am Ortsausgang finde ich einen direkt am Weg liegenden ALDI - ich versorge mich mit Brot, Orangensaft und Keksen. Alles andere hatte ich von zu Hause mitgebracht.

Als alles verstaut ist, setzt ein durchdringender Nieselregen ein. Anfangs fahre ich noch ohne Regencape weiter - muss dann aber doch dessen Schutz suchen. Es wird warm und feucht von innen und außen.

Burg Rothenfels bleibt auf der anderen Mainseite liegen. Der Radweg folgt nun einer einspurigen Fahrstraße nach Erlach. Dort ist der Regen inzwischen so heftig geworden, dass ich Schutz unter dem Eingangsdach zur Sakristei der Dorfkirche suche. Die Wartezeit verkürze ich mir mit einem vorzeitigen Mittagessen. Meine Satteltasche dient als provisorischer Tisch, Teller und Messer habe ich immer dabei.

Nach etwa einer Stunde lässt der Regen etwas nach - ich kann die Tour nach Lohr fortsetzen.

Dort fahre ich wieder in die Innenstadt - inzwischen regnet es so stark, dass ich das Regencape nutzen muss. Hosenbeine und Schuhe sind durchfeuchtet. Es gibt eine JH in Lohr, die ich auch schnell finde. Dort werden Gäste aber erst ab 17:00 Uhr empfangen. Außerdem lese ich an der Informationstafel, dass Einzelreisende über 26 Jahren hier nicht übernachten können: Die bayerische Ausnahmeregelung gilt also immer noch - einzigartig in der ganzen Welt...

Nach einstündiger Wartezeit lässt der Regen wieder nach - ich setze die Tour fort, allerdings mit wenig Hoffnung, heute noch Würzburg zu erreichen. Kurzzeitig kommt sogar wieder die Sonne zum Vorschein und trocknet die klammen Kleider. Kurz vor Gemünden überquert eine Eisenbahnspange zur NBS Würzburg - Fulda in einer imposanten Stahlkonstruktion den Main, schießlich auch die NBS selbst - allerdings auf einer langweiligen Betonpfeilerbrücke.

Gemünden selbst ist immer noch Bahnknoten für die Güterzüge auf den verschiedenen Nord-Süd-Strecken. Im Bahnhof halten jedoch nur noch Regionalzüge.Nach kurzem Besuch der Innenstadt treibt mich der einsetzende Gewitterregen unter das schützende Bahnsteigdach. Sintflutartig prasselt der Regen auf die Gleise. Auf der Bahnsteigbank kann ich das Schauspiel im Trockenen genießen.

Nach einer weiteren Stunde - es ist inzwischen fast 17:00 Uhr - hört der Regen endlich auf. Ich beschließe doch noch weiterzufahren - bis ca. 19:00 Uhr - und dann dort, wo ich gerade bin, ein Quartier zu suchen.

Der Radweg folgt weiter dem (in Flussrichtung) linken Ufer - ich fahre also flussaufwärts rechts des Mains. Hässliche Industrie verstellt den Weg nach Karlsstadt - ich bleibe auf meiner Mainseite - allerdings brauche ich nochmals Kaloriennachschub. Also lege ich neben einer Kleingartenkolonie auf einer vorbereiteten Picknickbank eine letzte Proviantpause ein.

Es bleibt nun trocken. Gegen 19:00 Uhr bin ich in Erlabrunn - jedoch möchte ich noch Margetshöchheim erreichen, um am Abend im gegenüberliegenden Veitshöchheim ein wenig bummeln zu können.

Ausgerechnet hier gibt es aber kaum Hinweise auf Privatquartiere. Im Hotel Eckert am Berg soll ein Einzelzimer 55 Euro kosten - das ist mir zu viel. Auf dem Rückweg von dort finde ich doch noch eine Privatpension. Die Betreiberin besitzt eigentlich einen Getränkevertrieb mit Festzeltausstattung, sodass sie großzügig nur 20 Euro für Zimmer und Frühstück berechnet.

Ich bereite mir mein "Weltreisemenue" mit in Bouillon gekochten Nudeln und den Resten der Prioviantkiste (Mortadella) zu. Der Abendspaziergang nach Veitshöchheim beginnt dann jedoch so spät, dass der berühmte Schlossgarten schon verschlossen ist.


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