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3. Tag: Margetshöchheim - Creglingen (ca. 70 km)
Mi, 25.08.2004


Im Privathaus der Besitzerin sind zwei Räume als Frühstückszimmer gerichtet. Ein ausführliches Frühstück stimmt positiv auf den Tag ein. Der Radweg am Main entlang verläuft sehr idyllisch durch die Parks von Zell am Main bis zur Ortsgrenze von Würzburg. Dort muss ich auf Radwege parallel zu den Eingangsstraßen wechseln, zuletzt auf das Festgelände am linken Mainufer.

Über die alte Mainbrücke - sie ist jetzt ganz für Fußgänger und Radfahrer reserviert - betrete ich die Stadt. Ein kurzer Rundgang gibt einen Eindruck von der im Krieg stark zerstörten Stadt: nur wenige wirklich alte Häuser haben überlebt - im Vergleich zu den kleineren Mainstädtchen.

Nach einer Stunde gehts weiter in Richtung Ochsenfurt. Der Weg aus der Stadt ist schwierig, weil der Radweg ständig Ausfallstraßen überquert - an einer Stelle sogar gefährlich, weil ich ohne Sicherung auf die linke Fahrbahnseite wechseln muss. In Heidingsfeld werden die Straßen im Industriegebiet genutzt - auch die sind alltags nicht verkehrsfrei.

Schließlich erreiche ich einen Weg, der dem Bahndamm der Strecke Würzburg - Treuchtlingen folgt. Auf dieser Strecke herrscht reger Güterzugverkehr, der einmal in der Stunde durch einen Regionalzug ergänzt wird.

Offenbar gibt es auch auf der anderen Mainseite einen Radweg - ich vermute fast, dass dort der offizielle Fernweg verläuft. Ich bleibe aber auf der linken Seite aus Interesse an der Bahn und weil auch Ochsenfurt auf dieser Seite liegt. Zuletzt wird ein Betonwerk durchquert - dann erreiche ich die Einfallstraße nach Ochsenfurt. Hinter dem Stadttor beginnt dann endlich die Ruhe, die mich zur Mittagspause veranlasst.

Hier verlasse ich nun den Maintalweg um ins Taubertal zu wechseln. An verschiedenen Orten wurden in Europa stillgelegte Bahnstrecken in Radwege umgewandelt. In der Hoffnung, einen solchen zu finden, suche ich die alte Bahntrasse von Ochsenfurt nach Weikersheim. Innerhalb der Stadt ist der Platz der Verbreiterung der Umgehungsstraße zum Opfer gefallen. In Höhe des Abzweigs nach Hohestadt aber finde ich tatsächlich den Einstieg in den "Gaubahnradweg". Auf kompletter Länge (bis Röttingen im Taubertal) ist die Bahntrasse erhalten, der Schotterbelag mit einer radfahrerfreundlichen KiesSandDecke abgedeckt. An den ehemaligen Stationen stehen noch Informationstafeln über die Bedeutung der Bahn und ihrer Bahnhöfe.

Beständig steigend - aber so, dass selbst ich nicht schieben muss - gewinnt die Bahn die Höhe des Ochsenfurter Gaus - einer fruchtbaren Hochebene mit Getreide- und Zuckerrübenanbau. Die Zuckerrübentransporte zur Zuckerfabrik nach Ochsenfurt haben für die lange Erhaltung der Bahn bis 1992 gesorgt. Erst deren Umstellung auf Straßenfahrzeuge führte zur Stilllegung und zum Abbau. Die Zuckerrübenverladerampen stehen zum Teil noch in den ehemaligen Bahnhöfen ungenutzt .

Ich radle zumeist einsam zwischen den Feldern entlang. Die erst 1909 fertiggestellte Bahn berührt die Dörfer nur peripher. Auch hier scheint die Zeit vielfach stillzustehen...

Eine zunehmende Wolkendichte verheißt nichts Gutes für den bisher trockenen Tag. Kurz vor dem Abstieg ins Taubertal muss ich wieder das Regencape überziehen.

In Bieberehren verlasse ich den Gaubahnweg, um jetzt dem hier querenden Taubertalweg noch 6 km aufwärts bis Creglingen zu folgen. Auch dieser schwenkt bald in die ehemalige Bahntrasse der Stichbahn Creglingen - Bieberehren ein. Am Ortseingang erwartet mich ein großzügig angelegtes Fremdenverkehrszentrum fürs obere Taubertal - nur ist die Betreuungsperson leider gerade im Rathaus... So folge ich der Straße zum Rathaus und frage dort die erste Angestellte, die ich teffe, nach dem Weg zur JH. Tatsächlich ist oberhalb von Creglingen 1992 eine neue JH gebaut worden, nachdem die alte im ehemaligen Stadtturm 1968 stillgelegt wurde. Ich begegne dort bereits der ersten Schulklasse auf Klassenfahrt - aus Meck-Pomm. Ein Zimmer für mich ist aber noch frei - mit Abendessen 26 Euro (!!).

Vor dem Abendessen komme ich noch zum Stadtrundgang - jetzt scheint sogar die Abendsonne. Einen kurzen Blick kann ich noch vor Toresschluss auf den Holzaltar der Herrgotts-Kapelle werfen - dann gehts zurück zum Abendessen in die JH. Ein umfangreiches Menue mit drei verschiedenen Pasta-Angeboten und Salatbuffet entschädigt etwas für die Übernachtungskosten.

Die Lehrerin und die begleitenden Mütter der Klassenfahrt setzen sich zu mir. Ich berichte von meiner bevorstehenden Fahrt nach Dörzbach. Sie werden neugierig - in welcher Schulart und welche Fächer ich unterrichte. Sie sind erstaunt über Mathe-Physik-Informatik, sie hätten mich eher für einen Geschichts- oder Sozialkundelehrer gehalten...


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