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Regen in Andalusien Mo, 7.5.2001
Liebe Leser,

Seit meinem letzten Bericht vom Mar Minor ist nun wieder fast eine Woche vergangen. Die spannende und landschaftlich sehr attraktive Fahrt wird durch zwei Phänomene merklich getrübt:

  • den beständigen oft an patagonische Verhältnisse erinnernden Gegenwind mit gelegentlichen Regenschauern
  • und den heftigen Verkehr auch auf den Nebenstraßen - ganz im Gegensatz zu Argentinien, wo ich oft eine Stunde allein war.
Die Temperaturen liegen am Meer bei 15 bis 18 Grad. In den Sierras fällt ab 2000 m wieder Schnee (!!!). Meine Wintermütze trage ich nun schon seit dem Dauerregen in Frankreich. Sie ist immer noch nützlich.
Die Küstenstraße wird vielfach von Kollonnen der Gemüselastwagen bevölkert, die das spanische Frühgemuese nach Norden (auch zu uns) transportieren. Hier wächst es in Zeltgewächshäusern aus Plastikplanen, die die Ebenen zwischen den Steilküstenabschnitten bedecken, aber oft auch in die Hänge gegraben sind. Fast nichts wird hier mehr im Freiland angebaut. Die Samen werden vorkonditioniert (offenbar auch gentechnisch !).
Dazwischen liegen Städte, die vielfach Ferienwohnungsburgen ähneln. Die Bautätigkeit geht ungebrochen weiter. Offenbar kaufen mehr und mehr auch reiche Spanier solche Wohnungen am Meer. Über die Kurzferien zwischen letztem April-Wochenende und 1. Mai waren sehr viele Autos mit Madrider Kennzeichen unterwegs.
Rühmliche Ausnahmen gibt es natürlich auch. Dazu gehören kleinere Städte wie Cartagena und Almunecar.
Weitere Pannen waren der Ersatz des hinteren Schaltzugs. Eigentlich unproblematisch, wenn mir der erste Fahrradhändler nicht einen um 5 cm zu kurzen verkauft hätte. So musste ich bis 17:00 Uhr warten, bis der zweite Händler öffnete, der dann die richtige Länge anbieten konnte.
Heute war wieder mal der hintere Reifen durchgescheuert. Ersatz hatte ich in Aiguilas besorgt, sodass ich nach 1 Stunde weiterfahren konnte. Beim Demontieren des Rades habe ich wohl ein Ameisenerdnest zertreten, sodass mir die lieben Tierchen jetzt über Schuhe und Beine krabbelten. Da half nur die schnelle Flucht an einen anderen Montageplatz...

Meine nächsten Etappen waren:

  • Aiguilas, der Ort, aus dem die LIDL-Tomaten stammen: Nach einer spannenden Passüberquerung bis in die Dämmerung habe ich den Ort erst 21:15 Uhr erreicht. Der Anfang wurde durch heftigen Gegenwind behindert bis Cartagena. Dort konnte ich nur kurz die Altstadt durchqueren. Die weitere Küstenstraße verläuft jeweils in einem Seitental, das sich schräg von der Küste entfernt und am Ende über den jeweiligen (bis zu 600 m hohen) Kamm. Dies war zweimal zu bewältigen, wobei die Passhöhe nicht aus meiner Karte zu entnehmen war. Nur dank einer rauschenden Abfahrt über ein Stück neue Autobahn konnte ich den Ort vor Einbruch dr Dunkelheit erreichen.
  • Ein kleiner Campingplatz bei Mojacar, einer Touristen-Hochburg der Engländer. Dies war mein erster Versuch, im Zelt zu übernachten. Dank Schlafsack war die nächtliche Kälte erträglich.
  • Almeria, die Hafenstadt mit der Insider-Verbindung nach Marokko (Melilla und Nador nahe der algerischen Grenze), in der mir auf offener Straße Haschisch angeboten wird. Da die JH belegt ist, finde ich wieder in einer Pension in der sehenswerten Altstadt Unterkunft. Die Außenbereiche im nördlichen Bereich der Stadt erschienen mir etwas verwahrlost. Südlich beginnt sofort die Steilküste mit Tunneldurchquerung (spannend auf dem Fahrrad ohne Licht !!!).
  • Ein grosser, aber fast leerer Campingplatz bei Castel del Ferro. Dort toste die ganze Nacht das Meer. Nachts musste ich die Zeltschnüre mit Steinen beschweren, damit er Wind nicht die Zeltnägel herausreißt.
  • Almunecar, ein Kleinod mit vollständig erhaltener mittelalterlicher Altstadt (erinnert stark an Granada). Zusätzlich gibt es eine phoenizische Nekropolis, eine römische Wasserleitung und ein arabisches Kastell.
  • Malaga, die Groß- und Einkaufstadt an der andalusischen Küste, mit weltläufiger Fußgängerzone, einer gigantischen Kathedrale (der der zweite Turm fehlt) und einer Alcazaba. Unangenehme Überraschung war heute Abend beim Abladen des Fahrrads vor der JH (Preis übrigens 2350 Ptas), dass zwei aufdringliche Kinder, die mir immerzu "helfen" wollten, beim Reintragen des ersten Teils des Gepäcks meinen Ersatzreifen fürs Vorderrad geklaut haben. Nun muss ich morgen zuerst Ersatz beschaffen.

Viele Grüße aus Malaga

Joachim Heidinger


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