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An der Atlantikküste Di, 15.5.2001
Liebe Leser,

die Taktik, bereits morgens um 7:00 Uhr aufzubrechen, hat sich bewährt. Um diese Zeit gehen die meisten ihren Geschäften nach, die Kinder gehen (fast alle) zur Schule. Die Aufdringlichkeit hält sich in Grenzen.
Ab mittags nimmt diese dann zu, meist noch im positiven Sinn, mit vermeintlichen Hilfsangeboten, aber auch einer intensiven Ausfragerei - immer in der Hoffnung auf Backschisch oder Rauschgiftverkauf (want some smoke...)
Ab 16:00 Uhr wirds dann meist gefährlich. Außer im Trubel von Basaren beginnen sofort die in der letzten Mail beschriebenen Einkesselungsversuche. Ich kann dann höchstens noch zu festen Geschäften huschen, besser noch schnell mit dem Fahrrad fahren.

Das Land ist aber so schön, dass ich mich durch die Aufdringlichkeit seiner Menschen noch nicht habe abschrecken lassen. Die Rundfahrt zum Cap Spartel am Alantik erlaubt einen wunderbaren Blick über die weite Küste, die ab und zu von Felsnasen unterbrochen ist. In einer dieser Felsnasen sind die "Grotten des Hercules" eingegraben. Diese sind zum Meer hin offen, sodass die Brandung hineintost. Natürlich ist auch in diesen Höhlen ein Verkaufsbasar eingerichtet...
Flughafen und Bahnhof von Tanger liegen beide weit außerhalb der Stadt (und es gibt natürlich keine Busverbindung, damit auch die Taxifahrer verdienen). Überhaupt übernehmen die Taxifahrer oft Busfunktion, indem verschiedene Fahrgastgruppen in derselben Richtung zusammen einsteigen und unterwegs dann an verschiedenen Stellen aussteigen. Dabei sitzen bis zu 6 Personen + Fahrer in enem alten Diesel-Mercedes.
Immerhin gibt es noch 4 Fernverbindungen pro Tag mit der Bahn von Tanger aus. Diese könnte ich nutzen, wenn ich unterwegs meine Tour nach Rabat doch noch abbrechen muss...
Heute bin ich frühmorgens von Tanger aus Richtung Süden gestartet. Die Hauptstraße nach Rabat ist in Tanger zwar vierspurig und sehr belebt, verliert aber mit zunehmendem Abstand von der Stadt an Verkehr. Sie führt über weite Strecken direkt an einer menschenleeren Küste entlang, mit Sanddünen zur Straße hin. Hotelprojekte nd Appartmenthäuser sind zwar geplant, bisher aber noch nirgends verwirklicht.
Zum Teil führen die Flüsse aus dem Rif jetzt noch Wasser (ach ja, gestern nacht hat es heftig geregnet und der Himmel ist tagsüber bedeckt. Die Temperaturen sind durchaus nicht afrikanisch...).
Asilah, die erste Stadt an der Straße, habe ich bereits um 11:00 Uhr erreicht und mich dort sofort in den Schutz eines Hotelzimmers geflüchtet (für 80 Derham = 16 DM). Der nachmittägliche Spaziergang durch die wunderschöne, vollständig erhaltene Altstadt wird allerdings schon wieder von aufdringlichen Schwätzern und Verfolgern begleitet. Der Schutz eines Internet-Cafes ist da sehr willkommen (8 Derham pro Stunde...).

Viele Grüße aus einem schönen Land mit leider sehr aufdringlichen Menschen

Joachim Heidinger


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