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Reisebericht aus Barcelona So, 22.4.2001
Liebe Leser,

endlich habe ich wieder ein Internet-Cafe gefunden und muss eine Zwangspause einlegen: Heute Nacht haben kleine Diebe von meinem Fahrrad, das vor der JH an einen Baum gekettet war, den Sattel gestohlen. Es gibt zwar ganz in der Nähe einen Fahrradhändler - nur der hat sonntags zu. So komme ich zu der - nicht geplanten - aber bei (endlich) schönem Wetter nicht unangenehmen Zeit für eine ausführliche Stadtbesichtigung: Gaudi-Häuser - Weltausstellungsgelände - Olympiapark - Montjuic - Altstadt und ab 18:00 Uhr (wieder) ins Konzert im Palau Musical.
Bisher bin ich jeden Tag weiter gefahren. Jeweils abends hatte ich etwas Zeit für eine kurze Stadtbesichtigung. Die weiteren Stationen nach meiner letzten Mail waren:

  • Macon (die Partnerstadt von Neustadt/Weinstr) mit einer ausnehmend schönen Uferpromenade an der Saone.
  • Lyon, die reiche Einkaufsstadt an der Mündung von Saone und Rhone mit wunderschönen renovierten Altstadthäusern.
  • Valence, eine Etappe an der Rhone. Zur Stadtbsichtigung blieb wegen der späten Ankunft keine Zeit.
  • Nimes, mit den römischen Zeitkumenten, vor allem dem riesigen Amphitheater
  • Sete, die Hafen- und Urlaubsstadt am Mittelmeer. Hier konnte ich erstmals Meeresluft schnuppern.
  • Narbonne, die Stadt mit der bis heute nicht fertiggebauten mittelalterlichen Kathedrale
  • Collioure, ein wunderschönes Fischerdorf mit natürlicher Hafenbucht, in die ein ehemaliges Königsschloss eingebettet ist.
  • Figueres, erstmals in Katalonien (hier spricht man nicht etwa Spanisch !!!) mit seinem weltberühmten Dali-Museum
  • La Escala, die Kleinstadt neben den Ruinen der griechischen und römischen Stadt Empurias
  • San Feliu an der Costa Brava, eine touristisch nicht ganz so überrumpelte Kleinstadt wie etwa Tossa oder Loret de Mar in zwei schönen Felsbuchten
  • Mataro, die Großstadt im S-Bahn-Bereich von Barcelona mit nur wenig touristischer Infrastruktur
  • Barcelona, das kulturelle Zentrum Kataloniens.

Die Unterbringung war sehr verschieden. Von JH und Hostal bis mittlerem Hotel waren alle Preis- und Qualitätsstufen vertreten. In Spanien überraschte mich, dass ich fÜr ein Einzelzimmer in Figueres nur 1500 Ptas (= 18 DM) bezahlen musste, während die JH in La Escala 2700 Ptas verlangte. Dafür kostet die JH in Barcelona dann nur 1700 Ptas.

Das Wetter war durchweg wechselhaft mit zum Teil heftigen Schauern bei Temperaturen nie über 15 Grad, sodass mein Zelt bisher unbenutzt blieb. Da ich im ersten Überschwang nach Überschreiten der span. Grenze gleich auf Shorts und T-shirt umstellte, zog ich mir überdies eine leichte Erkältung zu, die im trockenen (Zimmer) auskuriert werden musste.

Größere Pannen gab es bisher nur 15 km nach Figueras. Der Schlauch im hinteren Rad hatte ein Loch direkt neben dem Ventil, ließ sich also nicht mehr flicken. Nur hatte ich keinen Ersatzschlauch dabei (!?!). Nachfragen ergab, dass der nächste Fahrradhändler in Figueras sitzt. Also mit dem Bus zurück. Nur fahren die nur alle 4 Stunden. Also begann eine lange geduldige Wartezeit. Der Händler dort - ich hatte ihn beim Übernachten schon ausfindig gemacht - konnte mir weiterhelfen. Auf den Bus zurück musste ich wieder 2 Stunden warten, Zeit genug, dem Dahli-Museum doch noch einen Besuch abzustatten, da es am Abend vorher beim obligatorischen Stadtrundgang schon geschlossen hatte. So hatte diese Zwangspause doch noch ihr Gutes.

Die zweite Zwangspause ist nun heute, warten auf einen neuen Fahrradsattel. Schon gestern hatte ich mich - nach einem Bummel durch die Altstadt inclusive Messe in der Kathedrale - kurzfristig entschieden, eine Eintrittskarte für das Jugendstilkonzerthaus "Palau Musical" in der Altstadt Barcelonas zu erwerben. Es gab zwischen Manuel de Falla "La Vida breve" und Stravinskis "Der Feuervogel" zwei zeitgenössische katalanische Komponisten, die im Stil der Spätromantik katalanische Volksweisen orchestriert hatten. Der eine trat selbst noch mit einer Zugabe auf...
Heute war nun Zeit für die Besichtigungen, für die bei meinen bisherigen Besuchen in Barcelona nie genug Zeit blieb. Also auch diesmal ein kleiner Trost für den Schreck heute morgen - obwohl ich kräftig geflucht habe..

Die Verkehrssituation hier ist nicht ganz so günstig wie in Frankeich. Es gibt nicht soviele wenig befahrene Nebenstraßen - oder besser, auch die Nebenstraßen sind inzwischen zur Entlastung der Hauptverkehrsachsen herangezogen worden. Eine Radwegebeschilderung außerorts fehlt völlig. Die Autofahrer nehmen jedoch - anders als in Argentinien - Rücksicht beim Vorbeifahren, meist warten sie eine Lücke im Gegenverkehr ab.
Dass ich auch in Spanien nur langsamer als geplant vorankomme, liegt an den bereits genannten Zwangspausen und den häufigen Kleidungswechseln zwischen Regenkleidung und Sonnenkleidung. Inzwischen herrscht wieder vorwiegend Westwind, das bedeutet teilweise Gegenwind, wenn ich der Küstenlinie folge.

Einen Lichtblick stellte die Küstenstrasse zwischen San Feliu und Lloret de Mar dar. Diese sehr kurven- und steigungsreiche Strecke zeigt die Costa Brava von ihrer schönsten Seite: Viele Felsküstenabschnitte mit kleinen Buchten, weite Ausblicke von der Straße... Entsprechend kamen mir Sportradfahrer gleich pulkweise entgegen.

In der Hoffnung, dass morgen mein Fahrrad wieder fit ist, grüße ich alle daheim von Barcelona

Joachim Heidinger


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