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Frankreich im Regen Di, 2.4.2001
Liebe Reisegemeinde,

endlich habe ich in Cluny ein Internet-Cafe gefunden, um Mails zu schicken. Das Schreiben auf der französischen Tastatur fällt noch etwas schwer. Die erste Woche meiner Radtour nach Marokko verlief langsamer als geplant: Über Zwischenstopps in Karlsruhe, Kehl, Mulhouse, Montbeliard, Besancon, Dole, Chalon s. Saone bin ich heute in Taize und Cluny gelandet. Die Strecke folgt in weiten Teilen dem Rhein-Rhone-Kanal. Die Wasserscheide ist nur wenig mehr als 300 m hoch. Zu schaffen macht mir vor allem der dauernde Gegenwind, zum Teil verbunden mit heftigem Regen. Gestern regnete es durchgehend bis 18:00 Uhr, erst danach wurde es heller. Heute kam die Sonne nach dem Besuch in Taize zum ersten Mal aus den Wolken hervor.
Übernachtet habe ich bei Temperaturen zwischen 4 und 8 Grad nur in Jugendherbergen und Hotels. Leider kostet in Frankreich ein Zimmer (fast) dasselbe, ob man allein oder zu zweit dort übernachtet. Deshalb sind die Preise oft höher als in Argentinien (bis zu 250 FF).
Faszinierend an der Langsamkeit ist aber die Möglichkeit, all die französischen Städte zu sehen, die sonst nur Namen von Autobahnabfahrten auf dem Weg nach Süden sind. Ganz besonders beeindruckt hat mich Besançon: Die Altstadt im Doubs-Bogen ist vollständig restauriert. So entsteht ein geschlossenes Bild einer Großstadt von vor 200 Jahren mit ansehnlichen Bürgerhäusern und Verwaltungspalästen.
Montbeliard kann den Schweizer Einfluss nicht verleugnen. Dort steht demgemäß die älteste protestantische Kirche Frankreichs (von 1608). Sehr kompakt dagegen ist die Altstadt von Dole, überragt vom gigantischen mittelalterlichen Dom.
Taize ist auch heute ein großes Jugendlager. Mit einfachsten Mitteln werden dort Jugendliche aus aller Welt (in Zelten) untergebracht. Kern der Jugendtreffen ist das gemeinsame Singen und Beten in der großen Kirche. Auch diese einfach aber eindrucksvoll mit vorherrschendem hellen Orange gestaltet. Verbindende Sprache der Lieder ist zunächst das alte Latein, alle Texte des Liederbuchs sind aber auch in mindestens 10 Sprachen übersetzt. Ich hoffe, morgen bis Lyon zu kommen. Dann sind es noch vier Tage bis zum Mittelmeer.

Gruesse aus der Abtei von Cluny

Joachim Heidinger


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