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Am Ziel angekommen, in der Königsstadt Rabat Fr, 18.5.2001
Liebe Leser,

der heutige Tag ist nach den Erfahrungen von gestern sehr geruhsam verlaufen. Um 8:00 Uhr starte ich in Kenitra auf der Staatsstraße nach Rabat. Sie ist vollständig dreispurig ausgebaut und hat - was ich inzwischen positiv einschätze - regen Verkehr, der aber ausweichen kann - zumindest fast immer.
Die Tour verläuft durch weite Waldflächen, in die längs der Straße Gärtnereien eingebettet sind, mit allen exotischen Frühlingsblumen, die bei uns nur in Gewächshaeusern gedeihen. Die Dörfer versuchen eine einheitliche zweigeschossige Bebauung mit Garagen im Untergeschoss und Wohnfläche darüber - mit Abstand von den Insekten Afrikas. Wenn man von der Größe der plattgefahrenen Käfer auf der Straße schließen kann, sind diese schon gewaltig groß (5 bis 10 cm im Schnitt). Zum Teil sind nur die Untergeschosse fertig. Diese werden als Kaufladen oder als Werkstatt genutzt, dienen also als wohnortnahe Erwerbsquelle. Leider sind auch Bauruinen darunter, bei denen - aus welchem Grund auch immer - die bereits bestehenden Betonstützen teilweise zerstört wurden, sodass die ganze Konstruktion einknickt...
Einige Dörfer haben noch Wellblechsiedlungen an den Rändern. In Sale, der Schwesterstadt von Rabat auf dem anderen Flussufer, versucht man dagegen preiswerte Wohnungen in modernen Wohnblocks zu errichten. In den bereits fertigen sind aber immer noch Wohnungen frei und die Geschäftsräume im Untergeschoss ungenutzt. Ich befürchte, dass die gewählte Architektur nicht auf die Beduerfnisse der zukuenftigen Bewohner eingeht. Das argentinische Modell mit kleinen freistehenden Einfamilienhäuschen, wo jeder noch nach eigenem Geschmack individuell weiterbauen kann, wurde dort besser akzeptiert.
Die Leute an der Straße schauen neugierig, pfeifen auch hinter mir her, aber keiner versucht mich mehr anzugreifen. Mit der Nähe der Hauptstadt beginnt eine durchgehende Besiedlung des Straßenrandes. Parallel verläuft die gut ausgebaute und elektrifizierte Bahnstrecke Fes - Rabat - Casablanca, die ich für meine Ausflugstouren nutzen werde.

Wenn man an den Mauern der Medina (=Altstadt) von Sale vorbeigefahren ist, grüßt auf der anderen Flussseite Rabat mit seinem Wahrzeichen, einem Moscheeturm aus dem 12. Jhdt., der aber nie fertiggestellt wurde. Der Fluss ist hier so sauber, dass Unentwegte darin sogar baden. Die Temperaturen sind aber immer noch frühlingshaft bei 20°. Heute Nachmittag gab es auch einen kurzen Regenschauer. Da niemand einen Regenschirm besitzt, flüchten sich die Leute unter die Alleebäume oder in die Stadtbusse.
Im Hotel "Central" habe ich wieder ein Zimmer mit Dusche für 100 Derham gefunden, direkt gegenüber vom Parlament. Der Blick vom Hotelfenster im dritten Stock ist wunderschön über Gartenrestaurants, die Alleepalmen der Hauptstrasse Mohammed V bis zum Parlament. Der Bahnhof ist 5 Minuten entfernt, sodass ich ohne Fahrrad zu den Tagestouren starten kann.
Der Altstadtrundgang zeigt das übliche Bild, Bazare, Moscheen, verwinkelte Gassen, einen mittelalterlichen Palast mit wunderschönem Garten. Das Besondere ist der "Regierungsbezirk" des Königs. Der Palast ist natürlich unzugänglich und gut abgeschirmt. Darumherum ist aber ein Wohnviertel für die Bediensteten entstanden, dass in einer sauberen, großstädtischen Parklandschaft liegt. Hier gibt es keinen Müll, keine Schlaglöcher, keine losen Gewegplatten. Hier sind die Rasenflächen bestens gepflegt und die Blumenbeete immer frisch besetzt. Dieses ganze Viertel ist zwar der Öffentlichkeit zugänglich, kann aber durch Tore und eine lange Mauer bei Bedarf vollständig abgeriegelt werden.

Viele Grüße aus der freundlichen Hauptstadt Marokkos

Joachim Heidinger


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