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4. Tag: Breisach - Basel
Palmsonntag, 23.03.1997


Nach den mentalen Erfahrungen von gestern habe ich eigentlich vor, heute auf der badischen Seite des Rheins zu bleiben. Einige Radfahrer am Frühstückstisch jedoch empfehlen so dringend die kürzere und schnellere französische Route, dass ich mich überzeugen lasse.

Schnell ist die rheinbegleitende Straße gefunden. Es ist diesig und es setzt ein leichter allmählich zunehmender Südwind ein. Dies verheißt zwar gutes Wetter, aber bedeutet auf der freien französischen Strecke dauernden Gegenwind. Die Abwechslung beschränkt sich auf eine riesige Verladestation für französische Pkws aus Mulhouse, ein Centre nucleaire , dessen Besucherzentrum jedoch geschlossen hat und eine starken Pfefferminzduft verbreitende Kaugummifabrik.

Erst in unmittelbarer Nähe von Basel wird die Region wieder bewohnt. St Louis ist die Stadthälfte auf französischer Seite. Heute am Sonntag ist der Verkehr jedoch weiterhin gering.

Schließlich durchquere ich den Industriegürtel um Basel, der teilweise auf französischem Gelände liegt. Zwischen zwei Fabriktoren befindet sich der Grenzübergang.

In Basel überrascht mich die durchgehende Radwegebeschilderung und fast überall vorhanden Radwege oder Radstreifen auf den Fahrbahnen. So finde ich schnell zur Innenstadt. Die wird durchquert wieder bis zum Rheinufer. In deren Nähe liegt die JH Basel.

Ich bin früh, sodass ich Abendessen und Übernachtung bestellen kann. Ich finde mein Bett numeriert in einem Schlafsaal mit 20 Betten. Noch vor dem Abendessen kann ich meine Stadtrundfahrt mit dem Rad beginnen. Am Rheinufer entlang geht es zum Münsterplatz, dann hinunter zum Rathaus. Dort begeistert mich die Dichte des Straßenbahnverkehrs. Im Minutenabstand verkehren hier lange Dreiwagenzüge in alle Stadtteile Basels. Im Stadttheater ist sonntags leider Spielpause, schade...

Im Bereich des Messegeländes Riehen stoße ich überraschend auf ein eigens erbautes Musicalhaus, äußerlich schmucklos wie eine Fabrikhalle. Man gibt jeden Abend "Das Phantom der Oper" von Andrew Loyd Webber, auch heute um, 19.30 Uhr. Zufällig sind die Kassen gerade offen, ich frage eher beiläufig, ob noch Karten zu haben sind. Gerade heute abend ist die Vorstellung nochmals ermäßigt. So nehme ich die Gelegenheit wahr, nach dem Abendessen in der JH nochmals zum Musical zu fahren. Eine begeisternde Aufführung erwartet mich, die in nichts dem englischen Original in London nachsteht. Busladungsweise werden ältere Herrschaften aus Süddeutschland zu diesem Abend angekarrt und fahren nach der Vorstellung direkt wieder nach Hause.

Nach diesem Kultur-Highlight komme ich spät aber rechtzeitig zur JH und finde meine Mitgenossen bereits schlafend.


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