[ vorhergehender Tag] [Übersicht] [nachfolgender Tag]


2. Tag: Karlovy Vary - Portucky
Mo, 24.10.2005


Der Morgen ist trüb, dennoch beschließe ich einen weiteren Tag in Karlsbad zu verbringen, um mir die schönen Paläste bei Tageslicht anzuschauen. Der Taleingang wird beherrscht von einem hässlichen Betonklotz, dem "Thermalhotel", in dem auch die Filmfestspiele von Karlsbad stattfinden. Daran schließt sich das alte Bad Nr. I mit den gusseisernen Kolonaden an.  Leider ist vieles abgerissen worden in den letzten 30 Jahren. Allein für das Thermalhotel mussten 30 Jugendstilvillen weichen. Die schnelle Sanierung vieler Luxushotels ist vor allem russischem Kapital zu verdanken. Wegen der hohen Preise sind aber nur 5% der Gäste aus Tschechien. Dies erfahre ich im Vorbeigehen von einer der vielen deutschen Führungen. Überhaupt reisen deutsche Seniorengruppen busladungsweise nach Karlsbad. Wahrscheinlich sind es aber nur Tagesgäste.

Heute wandere ich über das Hotel "Pupp" hinaus noch ins romantische Tal. Natürlich war auch Goethe hier: Ihm ist einer der Kurwege gewidmet.  Mich führt die Tour bergan zu einigen wunderschönen Aussichtspunkten. Inzwischen scheint die Sonne und Karlsbad erstrahlt in seiner weißen Pracht. Mehrere riesige Hotelkomplexe - alle aus der Jahrhunderwende - liegen am gegenüberliegenden Berghang mit Blick ins Tal. Gegen Mittag ist der Rundgang am "Hirschsprung" beendet.

Ich beschließe mit der Bahn noch einen Nachmittagsausflug ins Erzgebirge zu unternehmen. Kurz nachdem ich den Bahnhof ereiche, fährt der Zug nach Portucky, eine Güterzugdiesellok mit drei zweiachsigen Triebwagen-Beiwagen "Brotbüchsen".  Die Heizung der Wagen ist autark (eine eigene Ölheizung) und die Rundumsicht fantastisch. Leider endet die Fahrt schon in Nejdek. Ab hier ist die Strecke wegen Gleiserneuerung gesperrt, also gibt es Busersatzverkehr. Die Bahnstrecke überquert offen den Erzgebirgskamm. Das letzte Stück abwärts bis Johanngeorgenstadt übernimmt ein einzelner Triebwagen.

Ich steige in Portucky aus und werde überrascht von einem riesigen Chinesenmarkt: Zelte auf einem Parkplatz, eine eigens errichtete riesige Lagerhalle. Sämtliche Keller und Hinterhöfe sind voll mit chinesischen Verkaufsständen. Die Preise sind Verhandlungssache, enden aber meist auf Aldi-Niveau. Überraschend ist, dass jetzt schon DVDs des neuesten Films mit Jody Foster "Flightplan" verkauft werden - natürlich Raubkopien.

Ich überschreite zu Fuß die Grenze nach Johanngeorgenstadt. Die Wiederaufbauarbeiten nach der Flut vor 4 Jahren sind gerade abgeschlossen. Deutsche Züge fahren von hier bis Zwickau und Dresden. Die tschechische Bahn (CD) fährt viermal am Tag über die Grenze. An Samstagen soll es sogar durchgehende Züge von Zwickau nach Karlsbad geben.
Die Häuser in der Oberstadt von Johanngeorgenstadt stehen weitgehend leer und verfallen. Der Rückweg zur Grenze eröffet ein großartiges Wandergebiet, das ich jetzt natürlich nicht nutzen kann. Die Reise zurück verläuft ähnlich mit einem Wechsel zwischen Zug und Bus. Der Triebwagen verweigert die Weiterfahrt bis Karslbad unterer Bahnhof wegen zu großer Verspätung. So laufe ich den letzten Kilometer bergab bis zum Hotel.

Wanderung durch Karlovy Vary

Portucky und Johanngeorgenstadt


[ vorhergehender Tag] [Übersicht] [nachfolgender Tag]