[ vorhergehender Tag] [Übersicht] [nachfolgender Tag]


48. Tag: Burgas - Carevo (80 km)
Mi, 06.06.2007


In der Nacht regnet es. Ich bin wenig motiviert, früh aufzustehen. Bei tief hängenden Wolken starte ich - aber es bleibt trocken. Die Ausfahrt nach Süden gelingt am Bahnhof vorbei, dann an der Bahn entlang bis zur vierspurigen Hauptstraße. Dieser autobahnähnlichen SP 9 folge ich bis Sozopol. Erstaunlicherweise sind Radfahrer hier nicht verboten. Die meisten - bis auf ein paar Raser in neuen Autos - überholen vernünftig.

Die Hauptstraße führt durch ein ornithologisch sehr wichtiges Vogelschutzgebiet. Von speziellen Besucherzentren aus kann man die Fauna der Seen beobachten. Ich fahre lieber weiter. Nach einigen langanhaltenden Steigungen fällt die Straße schließlich ab in die Ebene von Sozopol. Auch diese Stadt liegt auf einer Landzunge - fast einer Insel. Die Häuser sind ähnlich wie in Nesebar - noch nicht von so viel Werbung entstellt. Überhaupt ist es hier wesentlich ruhiger, das mag auch am einsetzenden Nieselregen liegen. Ich ziehe mich zur Mittagspause auf den Treppenabsatz der Außentreppe eines leer stehenden Hauses zurück. Das vorkragende Holzhaus auf dem Steinsockel schützt mich und das Rad vor dem Regen.

Bei der Weiterfahrt ist die Straße nur noch zweispurig, zum Teil noch im alten Vorwendezustand. Der Verkehr nimmt merklich ab. Ein Abschnitt führt durch ein malerisches Flusstal im Hinterland. Danach muss allerdings der Bergrücken überquert werden, der das Tal vom Meer trennt.

Als gut ausgebaute Schnellstraße im Hinterland führt die Straße weiter bis Carevo. Dort zweigt die Bergstraße zum Grenzübergang in die Türkei ab. Carevo ist also für mich die letzte Stadt am Schwarzen Meer. Deshalb will ich dort übernachten. Die Touristen-Information ist zwar noch offen, aber wenig hilfreich. Sie Überreicht mir den offiziellen Hotelprospekt - über Privatzimmer wisse sie nichts.

Nach drei erfolglosen Versuchen bei den Hotels komme ich - wie so oft zufällig - bei einer Privatzimmervermietung vorbei. Der Hausherr begrüßt mich mit einem "Bravo" wegen des Fahrrads. Für 20 Lv bekomme ich quasi ein Appartment: 3 Betten, Kühlshrank, Bad mit Balkon zum Meer - traumhaft.

Ich fahre nochmal zum Einkaufen in den Ort. Auf dem Rückweg entdecke ich am Ende der Landzunge eine imposante Felsküste, mit wunderschönen Klippen, die von der Abendsonne beschienen werden. Ich bleibe lange am Ufer sitzen und genieße die Wärme der Sonne und das Tosen der Brandung.

Morgen gehts nun weiter bis an die türkische Grenze. Wider Erwarten sind es - laut Verkehrsschild - nur 336 km bis Istanbul - wahrscheinlich aber über die Autobahn ab Edirne. Ich will aber auf der weniger befahrenen N 020 bleiben.


[ vorhergehender Tag] [Übersicht] [nachfolgender Tag]