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49. Tag: Carevo - Malko Tarnovo (57 km)
Do, 07.06.2007


Heute gehts in die Berge. Kein Wegweiser zeigt an, dass dies die Hauptstraße in die Türkei (E87) ist. Nach der Kreuzung mit der Küstenstraße bin ich denn auch fast allein auf der Straße. Der Anfang ist neu asphaltiert. Die Freude reicht jedoch nur für 5 km. Dann folgt der Vorwendezustand. Die Straße gleicht einer Schlaglochpiste. An einigen Stellen löst sich der Asphalt ganz auf.

Die wuchernde Flora des angrenzenden Waldes beginnt, die Straße zurück zu erobern. Von seitlich und von oben ragen Äste ins Straßenprofil. Ich freuie mich über soviel Einsamkeit. Zwischendurch wird mir aber auch etwas mulmig, als derselbe LADA Niva mit 4 Männern zum dritten Mal an mir vorbeifährt. Aber die Straße ist sicher.

Nach dem ersten Anstieg bis Balgari erfolgt bereits eine Ausweiskontrolle von bulgarischer Seite - ich trete ins Grenzgebiet ein. An den Dorfrändern bilden sich Zeltsiedlungen im Wald - mit Plastikplanen abgedichtet. Dennoch stehen Autos vor den Behausungen.

Das ganze Waldgebiet ist 1995 zum Naturpark ernannt worden, um seinen besonderen Charakter ungestört zu belassen. Vielleicht wird auch deshalb die Straße nicht repariert. Es folgt ein Abstieg ins romantische Valeka-Tal. Hier kann man auf einer Schotterpiste (Touristenroute) bis zum Schwarzen Meer wandern. Der erneute Aufstieg wird noch länger. Ich schätze ihn auf mindestens 800 Höhenmeter. Die Straße verschwindet allmählich im wuchernden Urwald. Alle Viertel Stunde kommt ein Auto, darunter ein deutsches (Kennzeichen: Z) und ein österreichisches (Kennzeichen: L ) Wohnmobil.

Ein leichter Abstieg bringt mich ans Tagesziel, Malko Tarnovo. Das Dorf liegt in einer flachen Mulde. Es hat wohl bessere Zeiten erlebt. Das einzige Hotel finde ich nur, weil ich eine Passantin frage - es gibt keine Kennzeichnung mehr. Die Hotelzimmer sind unrenoviert - wie vor der Wende. Das warme Wasser wurde abgeschaltet. Dafür kostet das Zimmer mit Balkon und WC nur 15 Lv. Auf dem Abendrundgang durchs Dorf entdecke ich ein neues Einkaufszentrum mit kleinen Geschäften. Die Verkäuferinnen unterhalten sich miteinander - es gibt keine Kunden. Beim 18:00 Uhr-Gottesdienst in der orthodoxen Kirche besteht die Gemeinde aus einer einzigen älteren Frau.


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