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54. Tag: Istanbul (20 km)
Di, 12.06.2007


Gleich nach dem Frühstück breche ich auf zur Aya Sofia - der ältesten Moschee Istanbuls. Sie war noch in römischer Zeit als damals größte Kirche der Christenheit gebaut und im 15. Jahrhundert dann in eine Moschee umgebaut worden. Morgens - kurz nach 9:00 Uhr - hält sich der Besucherandrang noch in Grenzen. Beim Eintritt in die Halle komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Eine riesige Kuppel steht - freitragend - auf hundert schlanken Säulen. Damit das ganze nicht auseinanderkippt, sind draußen burgähnliche Anmauerungen erfolgt. Deshalb wirkt die Moschee von außen eher unattraktiv.

Innen sind viele Mosaiken aus byzantzinischer Zeit erhalten geblieben. Es sind leuchtende Beispiele für die Bildkraft der byzantinischen Meister. Vom Rand der oberen Galerie werden die Ausmaße der Moschee besonders deutlich. Eine Fotoausstellung unterstützt den Eindruck der strahlenden Mosaiken bei geschicktem Fotolicht. Das ganze Gebäude wird seit einigen Jahren renoviert, so dass ein Viertel des Innenraumes mit einem gigantischen Stahlgerüst zugestellt ist.

Draußen gibt es noch vieles zu entdecken: Das Hamham des Sultans, in dem heute ein Teppichverkauf stattfinddet, das Mausoleum des Sultans, in dem die grün abgedeckten Särge oberirdisch aufgestellt sind (samt seiner Frauen), natürlichn noch viele andere Moscheen , die alle für den Besucher offen sind.

Ich schlendere in Richtung "Großer Basar". Dies ist ein aus verschiedenen Gebäuden zusammengewachsener gedeckter Markt mit Tausenden von kleinen Verkaufsständen. Das Angebot lässt sich nur mit Staunen wahrnehmen, ich kann es nicht vollständig erfassen. Diese Art kleiner Läden setzt sich außerhalb fort. Dort treffe ich nur noch türkische Käufer.
Die Zulieferung zu den Marktgeschäften erfolgt wie im Mittelalter: mit schwerbeladenen Handkarren oder mit Trägern, die auf einem eigenartigen Tragegestell mit Beckenstütze riesige Kisten aufladen. Der Versuch, auch nur mit einem Pkw bis vors Geschäft zu fahren, scheitert so gut wie immer an den zugeparkten schmalen Straßen. Die Übergabe der Ware funktioniert übrigens durch einen kaum wahrnehmbaren schnellen Handschlag, bei dem wohl auch eine kleine Entlohnung für den Träger den Besitzer wechselt. Vieles funktioniert hier noch auf Vertrauen und Ehrlichkeit.

Nach der Mittagspause im Hostel starte ich zu einer Nachmittagstour mit dem Rad. Zuerst steuere ich den Bahnhof Sirkeci an, dem Endpunkt des legendären "Orient-Express". Das passende Restaurant gibt es noch auf Bahnsteig 1, der Zug aber ist verkürzt auf einen Kurswagen-Mix nach Budapest, Belgrad, Sofia, Bukarest. Mo, Di, Mi, Fr startet der Zug pünktlich um 22:00 Uhr abends. Die Fahrkarte nach München kostet übrigens 254 Ytl. (=150 Euro).

Ich verweile lange am Fährhafen vor dem Bahnhof. Hier herrscht ein Treiben im schmalen Wasser des "Goldenen Horns" und des Bosporus wie in Sydney. Auch die in der Ferne sichtbare große Bosporus-brücke erinnert an Sydney.

Ich überquere die "Galata-Brücke", eine Klappbrücke, die die beide europäischen Teile Istanbuls miteinander verbindet. Auch die moderne Straßenbahn überquert hier den Sund. Diese Straßenbahn beginnt am Hafen der Kreuzfahrtschiffe und führt von dort direkt zu den Moscheen und in die Einkaufszone des großen Basars. Das westliche Ende der Linie ist der Busbahnhof bzw. der Flughafen. Die langen Doppelzüge (16 Achsen) von Siemens sind meist brechend voll.

Auf der Galata-Seite schiebe ich das Rad auf den Bergrücken hoch zum großen Platz "Taksim". An diesem großen, modernen Platz beginnt die westlich orientierte Einkaufsmeile Istanbuls. In dieser Fußgängerzone zeigen sich Türken und Türkinnen von ihrer modischsten Seite. Als Kontrast zu den modernen Geschäften fährt eine historische Straßenbahn durch die Zone.

In der Nähe des Galata-Turmes liegt auch die Deutsche Schule Istanbuls. Wie der Zufall es will, treffe ich zwei Schüler der 9a, die Markus Schlosser, einen ehemaligen Schüler aus Schifferstsadt, dort als Sportlehrer haben. Sie fahren ab Morgen auf einwöchige Klassenfahrt. Für die anderen beginnt eine Projektwoche.


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