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58. Tag: Yalova - Iznik (60 km)
Sa, 16.06.2007


Einen kleinen Umweg gönne ich mir noch. Iznik am gleichnamigen See ist das ehemalige Nicaea, wo beim ersten ökumenischen Konzil unser Glaubensbekenntnis beschlossen wurde.

Der Weg dorthin beginnt auf der vierspurigen Schnellstraße nach Bursa. Es geht 10 km kontinuierlich bergauf (auf 300 Höhenmeter) bei glühender Hitze. Hemd und Hose sind mal wieder tropfnass geschwitzt. Oben gibts einen schönen Rundblick auf die anatolischen Berge und den 40 km langen See. Die Abfahrt bis Orhangazi ist rasant. Dort zweigt die Uferstraße nach Iznik ab, die immer am See entlang führt. Der Autoverkehr ist gering - es gibt aber viel landwirtschaftlichen Verkehr.

Die Ebene am Seeufer lässt alles gedeihen, was gut und teuer ist: Obst, Oliven, Gemüse, Wein. Ein altes Bewässerungssystem mit offenen Betonrinnen und ein neues mit Druckröhren konkurrieren. Es gibt mehrere große Punpstatioben, die das Seewasser zur Beregnung entnehmen. Dennoch zeigt der See keinerlei Zeichen von Austrocknung.

Zum Mittagspicknick finde ich einen vorbereiteten Platz am Ufer - von biblischer Schönheit. Ich sitze unter großen Bäumen mit Blick auf den glitzernden See, der von bis zu 1000 m hohen Bergen umrahmt ist, einen Olivenhain hinter mir, ein einfaches Fischerboot vor mir - so muss es am See Genezareth ausgesehen haben... Vielleicht war gerade deshalb das erste Konzil am Ufer dieses Sees und nicht in Konstantinopel.

Die Weiterfahrt wird durch unzählige Traktoren gestört, die den Seitenstreifen für sich beanspruchen. Wenn sie, um mich zu überholen, auf die Fahrbahn müssen, behindern sie den schnellen Hauptverkehr. Fast alle sind mit einem Giftzerstäuber unterwegs, um die Olivenbäume zu besprühen, die gerade ihre Früchte ansetzen. Zwischen den Olivenbäumen stehen allerdings immer wieder reife Kirschbäume, die von alten Frauen abgeerntet werden.

In Iznik bin ich schon um 17:00 Uhr. Direkt am See finde ich das wunderschöne Hotel Cem, das auch vom Lonely Planet empfohlen wird. Allerdings kostet dort das Doppelzimmer mit Balkon zum See und Frühstück 40 Ytl.

Ich mache mich sofort auf zur Stadtbesichtigung. Es gibt einen kompletten Stadtmauerring mit drei noch erhaltenen Toren. Viele Türme sind wegen der zeitweise heftigen Erdbeben nur noch Ruinen. Auch die Konzilskirche ist dem Erdbeben von 1065 zum Opfer gefallen. Die Ruinen dösen in einem Blumenpark vor sich hin. Etwas besonderes in Iznik ist die Herstellung von Fliesen mit islamischen Dekors, die in Souvenirläden und in einer Werkstattanlage (ehemaliges Hamham) als Andenken verkauft werden. Die schönen Muster aus den Moscheen und aus Topkapi werden in Handarbeit wieder aufgenommen. Leider kann ich so etwas nicht mit dem Rad transportieren.


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