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66. Tag: Babakale - Behramkale (Assos) (35 km)
So, 24.06.2007


Schon um 7 Uhr bin ich wach. Die gestern nicht mehr mögliche Ortserkundung von Babakale führt mich heute in den nur grob angeschütteten Hafen für die sehr kleinen Fischerboote, die jetzt allmählich zurückkehren. Der Ort wird begrenzt durch eine sehr steile Klippe. Hier hört die Welt auf. Das große Kastell ist innen leer, aber von Mauerrundweg habe ich schöne Blicke auf die Küste und den Ort.

Erst um 8.30 Uhr gibt es allmählich Frühstück im Hotel. Der Hausherr würde ja gern mit mir die Wartezeit im Gespräch überbrücken, aber er kann kein Wort Deutsch oder Englisch und ich kein Wort Türkisch. Schließlich ist es 9.30 Uhr, als ich endlich starte. Die Sonne brennt bereits heiß vom Himmel. Zuerst muss die Höhe von Gülpinar wieder erklommen werden (eigentlich sogar zweimal). In Gülpinar möchte ich sofort Wasser nachkaufen, achte nicht auf den halb heruntergelassenen Rollladen des Geschäfts und hole mir eine schmerzhafte Beule an der Stirn. Ich warte jetzt, bis der Laden ganz geöffnet wird - vielleicht um 11 Uhr. In der Zwischenzeit nutze ich die beiden Bänke der Bushaltestelle von Gülpinar als Werkstattablage. Ich muss endlich jeweils eine Bremsbacke vorn und hinten auswechseln: Die Metallhalterung kratzt bereits an der Felge. Zum Glück ergänzen sich die Bremsteile - vorne links hinten rechts. Hinten ist leider auch der Bremszug angerissen. Ich warte aber, bis er ganz abreißt. Ach ja, zwei Speichen sind

auch schon seit geraumer Zeit gerissen, eine in Varna, die zweite in Istanbul. Das Hinterrad eiert, aber es läuft trotzdem.

Die nun folgende Steigujng auf den Bergrücken hinter Gülpinar fordert meinen Kreislauf aufs Heftigste: heiße Mittagssonne (es ist 11.30 Uhr), kein Wind und steil aufwärts Schieben. Nach einer Stunde bin ich oben, aber pausenreif. Erst trinke ich 1,5 Liter, dann lege ich mich auf eine breite Bank im Bushäuschen, um den Kreislauf zu beruhigen. Eine Stunde Fahren, eine Stunde Pause, so läuft die Fahrt heute auch weiterhin. Inzwischen sind 40 ° im Schatten erreicht. Der Wind bläst backofenheiß von der Seite, Schwitzen reicht da kaum noch um den Körper abzukühlen.

Die Landschaft ist allerdings wunderschön. Es geht durch eine felsiges Hochland mit Stachelgräsern und niedrigen Büschen. Nur Esel und Ziegen können hier noch ihr Auskommen finden. Das Gras ist braun verdorrt - gleicht einer Trockensteppe. Oftmals bieten sich weite Ausblicke auf die dunstverschleierten Berge. In den Dörfern haben sich alle in ihre Häuser verkrochen. Die Männer sitzen im Restaurant unter dem Schattendach.

Gegen 16 Uhr nähere ich mich Behramkale, das bereist von Weitem vom Berghang heruntergrüßt. Es sind wohl die langsamsten 35 km, die ich jemals gefahren bin: über 6 Stunden habe ich inklusive Pausen gebraucht.

Gleich am Ortseingang finde ich eine preiswerte Pension (Sari Pansyune), die mich für 20 Ytl aufnimmt. Sofort geht es unter die Dusche. Inzwischen kühlt die Klimaanlage den Raum herunter. Ich erhole mich auf dem Bett liegend.

Gegen 17.30 Uhr starte ich zur Ortserkundung. Bergauf führt die Natursteinpflasterstraße an weiteren kleinen Pensionen und Restaurants vorbei. Der nur noch für Fußgänger z ugelassene obere Teil ist gesäumt von einer Unzahl von Andenkenständen. Oben beginnt der historische Teil: Ein Trümmergrundstück, in dem weder restauriert noch weiter ausgegraben wird, zeigt die Reste der von den Griechen gegründeten großen Stadt Assos. Sie zog sich vom Tempelberg bis hinunter zum Hafen am Meer. Hier oben sind die Reste eines Athenaetempels zu sehen. Von hier hat man grandiose Ausblicke auf die zerklüftete türkische Ägäisküste und die gegenüber liegende griechische Insel Lesbos. Ich kehre zurück zum Abendessen im Zimmer. Dann starte ich erneut abwärts in Richtung des modernen Assos. Ein vorbildlicher Sonnenuntergang über den Bergen hält mich eine Zeitlang fest. So komme ich nur bis zum griechischen Theater auf halbem Weg. Es ist in den Berghang gebaut mit Blick auf das Meer und die Insel Lesbos - wie immer eine traumhafte Lage. Wenn es nicht dunkel würde, könnte ich hier noch stundenlang verweilen.


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