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68. Tag: Edremit - Ayvalik (60 km)
Di, 26.06.2007


Der Abschied von Edremit fällt nicht schwer. Zum Glück ist die D 550 am Ortsausgang noch zweispurig, hat also den alten, befahrbaren Asphalt. Dafür hupen mich die LKW häufiger auf den Seitenstreifen. Die Straße hat nur einen größeren Anstieg, um zwei Küstennasen zu umgehen. In Gömec kann ich schon um 12 Uhr in einem schattigen Picknickpark mit großen Platanen Mittagsrast halten. Auch einige Landarbeiter und LKW-Fahrer gesellen sich dazu.

Von Gömec sind es nur noch 16 km nach Ayvalik. Die Innenstadt liegt abseits der Hauptverkehrsstraße. Sie lebte von der Olivenölproduktion. Es gibt mehrere nicht mehr genutzte Fabrikruinen in der Stadt. Heute lebt sie vom Tourismus. Von hier führt eine Privatfirma den Fährbetrieb zur griechischen Insel Lesbos durch: 50 Euro für die Hin- und Rückfahrt. Überhaupt sind hier viele Preise auf griechischem Niveau oder gleich in Euro ausgepreist.

Ich finde die vom Lonely Planet empfohlene Pension Taksiyarhis oberhalb der Altstadt. Sie besteht aus zwei renovierten Villen, wobei die Bausubstanz weitgehend erhalten blieb. Von den beiden Terrassen hat man einen malerischen Blick über die Altstadt zum Meer. Gleich am Eingang werden die Schuhe ausgezogen. Alle Räume sind dekoriert und furchtbar aufgeräumt, überall stehen Vasen und antike Vorratsbehälter. Allmählich dämmert mir, dass ich in einer Frauenpension gelandet bin. Das bestätigt sich bis zum Abend: nur weibliche Gäste jeglichen Alters, meist mehrjährige Stammgäste. Ich genieße aber diese leise unaufgeregte Atmosphäre.

Beim Stadtrundgang treffe ich vor der Moschee einen völlig frustrierten Neuseeländer. Er befindet sich auf einer vierzehntägigen Reise über die kleinen Ägäisinseln, kommt gerade von Lesbos. Der Kulturschock in die laute, staubige Basaratmosphäre und die zerfallenden Häuser in der Türkei, dazu die gnadenlose Hitze hauen ihn um. Er fährt sofort heute Abend wieder zurück nach Lesbos, obwohl er eigentlich auch Pergamon besuchen wollte.

Meine zweite Abendtour führt mit dem Rad auf die malerische Insel Alibey Adasi, die quer vor der Stadt liegt. An der schmalsten Stelle des Meeres gibt es eine Zufahrtsstraße. Im Hauptort der Insel bereiten sich über 20 Restaurants mit hunderten von Tischen auf die hoffentlich noch kommenden Abendgäste vor. Es gibt Fisch jeder Art. Ich genieße die Abendstimmung und kehre in der Dämmerung zurück in meine Pension.


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