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73. Tag: Izmir - Ephesos - Izmir (Zug)
So, 01.07.2007


Um 8:45 Uhr bringt mich der Schienenersatzbus nach Gaziemir, 15 km vom Zentrum entfernt, wo die befahrbare Bahnstrecke endet. Ein fast schon historischer FIAT-Schnelltriebwagen (Baujahr 1961) wartet auf die Fahrgäste. Nach einer halben Stunde Wartezeit startet er seine Lange Fahrt nach Denizli mitten in Anatolien. Ich fahre nur eine gute Stunde mit, bis Selcuk, der Stadt, bei der die Ruinen von Ephesos liegen.

Die Bahnstrecke ist nur bis zur nächsten Station zweigleisig und elektrifiziert. Hier ist eine provisorische Lokbehandlung aufgebaut, da der Hauptbahnhof ja nicht zugänglich ist. Alle Gleise stehen voll mit Triebwagen. Die notwendige Zugbegegnung wird durch Zurücksetzen in ein bereits volles Gleis realisiert - alles mit Handweichen ohne Sicherung und erst recht ohne Signale. De Weichensteller gibt Infos mit einem einfachen Funksprechgerät weiter...

Da die Strecke neu geschottert ist, geht die Fahrt recht flott durchs breite Tal. An beiden Talrändern erheben sich hohe Berge. Vom Bahnhof in Selcuk durchquere ich zu Fuß die Stadt und mache mich auf den Weg nach Ephesus. 1936 hat der damalige Bürgermeister eine Allee längs der Straße angelegt. Diese alte Straße ist jetzt ein schattiger Rad- und Fußweg.

Die Ruinen aus byzantinischer Zeit grüßen schon von Weitem. Die griechisch-römische Stadt liegt in einem Seitental versteckt. Vielleicht 40 große Busse bevölkern den Parkplatz. Hier ist erstmals richtig was los !

Gleich vom Eingangsweg aus werde ich von einem gigantischen Theater begrüßt. Von dort reicht der Blick auf die ehemalige Prachtstraße zum inzwischen verlandeten Hafen. Der Höhepunkt ist aber die vom österreichischen archäologischen Institut wieder aufgebaute zweistöckige Fassade der Celsus-Bibliothek - das Wahrzeichen von Ephesus, wenn nicht sogar der antiken Türkei. Hier hatten nämlich die Österreicher im 19. Jhdt. abgeräumt und mit den Figuren das Ephesus-Museum in Wien bestückt.

Durch eine lange steigende Straße gelangt man in die Oberstadt. Die Straße ist gesäumt von gut erhaltenen Resten des Bades, der Brunnen, kleiner Tempel und - neu - von Hangvillen mit Mosaiken und Wandmalereien. Die Villen kosten aber nochmal 10 Ytl. Eintritt. Deswegen geht kaum einer in das schutzdachgesicherte Areal. In der Obrstadt war wohl die Verwaltung angesiedelt. Es gibt einen Hörsaal-ähnlichen Ratssaal für 450 (!) Ratsherren.

Auf dem Rückweg zweige ich noch ab zu den Resten der frühchristlichen Marienkirche. Sie wurde im Wesentlichen aus Steinen der römischen Prachtstraßen gebaut - aber fiel diversen Erdbeben zum Opfer.

Der Rückweg nach Izmir mit der Bahn verläuft genauso problemlos. Dabei kostet die Rückfahrkarte für die 80 km gerade Mal 5 Ytl. (= 3 Euro). Im Hotelzimmer sortiere ich Unnötiges und Defektes aus, um das Übergewicht zu reduzieren. Vor allem die alten Schuhe müssen hier bleiben...


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