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Die erste Etappe durch Washington Mo, 28.7.2003
Hallo liebe Reisefreunde,

aus Centralia, einer Kleinstadt zwischen Seattle und Portland melde ich mich per Mail, weil hier der Internetzugang kostenlos ist !!! In der JH in Seattle hätte es 9$ pro Stunde gekostet.

Die wichtigste Hürde dieser Reise, der Kauf eines geeigneten Fahrrades in Seattle hat auf Anhieb geklappt. Durch den Cascades Club hatte ich die Adresse von "Recycled Cycles" in der Boat Street im Univeritätsviertel erfahren. Dort gibt es nicht nur (wenige) gebrauchte Fahrräder sondern auch preiswerte neue. Ein schönes Trekking Bike kostet 220$ , der Gepäcktraeger dazu 23$, zusammen mit Tax 264$, das ist kaum mehr als der Transport eines eigenen Fahrrades bei Delta Airlines gekostet hätte (220$).

Der Verkehr in der Großstadt ist natürlich gewöhnungsbedürftig. Dennoch verhalten sich die Autofahrer gegenüber Radfahrern sehr rücksichtsvoll. Bei der Vorfahrt werde ich gleichberechtigt anerkannt, beim Überholen hält man ausreichend Abstand.
Darüberhinaus gibt es in Seattle eine große Zahl von Bike Paths, die durch die Stadt führen und nur für Radfahrer und Fußgänger reserviert sind. Es macht Spaß, so durch die Großstadt zu radeln...

Die Stunde der Wahrheit kam aber am Samstag. Das gesamte Gepäck musste auf den einen hinteren Gepäckträger verladen werden (Seitentaschen, Rucksack, Zelt, Tagesrucksack). Das ist eindeutig zu viel und zu schwer - es fehlt aber ein Vorderradträger - und zurücklassen kann ich auch nichts. Mit einer Gepäckspinne wird alles gut verzurrt - es hält. Die ersten Meter zur Fähre lassen sich fahren, an die hohe Ladung und den verlagerten Schwerpunkt muss ich mich gewöhnen.

Die Fähre bringt mich um 10:20 Uhr nach Bremerton auf die andere Seite des Puget Sound. Dort beginnt die Tour um 11:30 Uhr. Ich folge weitgehend der im Lonely Planet Radführer USA West Coast vorgeschlagenen Weg. Er nutzt weitgehend autofreie Strecken und gibt vor allem in den Orten präzise Beschreibungen der Durchfahrten mit Straßennamen. Beschilderungen der Nebenstraßen gibt es nämlich nirgends...

Meine erste Etappe führt nach nur etwa 40 km zum Twahno State Park Camp Ground am Hood Canal, einem weit ins Land hineinreichenden Seitenarm der Meeresbucht. Dort können Hiker und Biker für 8$ übernachten, für andere kostet es 16$ - dafür aber mit riesigen Stellflächen für bis zu 4 Zelte.
Das Radfahren gehe ich zuerst sehr vorsichtig an, um das überlastete Material nicht zu strapazieren. Ich genieße aber, ein nagelneues Fahrrad gekauft zu haben mit gut eingestellter Schaltung (3 x 7) und neuen Bremsen. Das Wetter ist herrlich - es sei der trockendste Sommer seit Jahren. Morgens ist es angenehm kühl - bis zum Mittag steigen die Temperaturen auf über 30 Grad Celsius (80 Grad Fahrenheit). Am besten mache ich eine ausgedehnte Mittagspause - oder maile , so wie heute.

Mit gemischten Gefühlen starte ich zur nächsten Etappe, mein Führer empfiehlt im nächsten Ort Shelton nur Unterbringungen ab 50$. Bei der Mittagspause in Shelton entdecke ich jedoch , dass 30 km weiter, in Elma, eine kleine JH verzeichnet ist (14 Betten), hoffentlich finde ich dort noch Platz. Über einige steile Passagen (Maximalhöhe jedoch nur 150 m) komme ich wegen der Hitze ermattet in Elma an. Dort kennt niemand, den ich frage, eine JH (Hostel International). Ein Polizist hilft mir weiter: Außerhalb des Ortes liegt eine kleine Villa, die 3 Zimmer als Hostel vermietet. Nach der Beschreibung finde ich sie sofort, werde herzlich begrüßt von einem älteren Ehepaar, beide Motoradfreaks (BMW neuester Bauart !!!) und kann allein (!!!) im Sechsbettzimmer übernachten. Die Dusche teile ich mit den Hauseigentümern. In der Hostel-Küche kann ich endlich warm kochen - es ist mir bis heute noch nicht gelungen eine Gaskartusche für meinen Kocher zu finden.

Heute starte ich nach einem schönen Frühstück mit selbstgekochtem Tee und Brot und einer Banane zuerst nach Centralia. Auf ruhigen Nebenstrecken führt die Route durch weites Farmland in einer Flussniederung. Ein kurzer Abschnitt auf der Hwy 12 leert mich, diese Straßen nicht freiwillig zu nutzen. Der Seitenstreifen ist zwar asphaltiert, aber oft übersäht mit Glassplittern. Die vorbeirauschenden Trucks sind oft dreigliedrig mit bis zu 10 Achsen... Durch Zufall habe ich jetzt vor der örtlichen Bibliothek Mittagspause gemacht. Auf der Suche nach einer Telefonzelle fand ich diesen kostenlosen Internetzugang.

Soviel für heute

Grüße aus Centralia WA

Joachim


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