[Übersicht] [nachfolgender Bericht]


An der Kueste von Oregon 5.8.2003
Liebe Reisefreunde,

nun habe ich schon die Hälfte der beeindruckenden Küste von Oregon hinter mir gelassen. Mein Standort ist North Bend, eine kleine Stadt mit beeindruckender Bibliothek, in der man wieder - kostenlos - ins Internet darf...

Die bisherige Stationen der Reise waren begleitet von Stadtdurchfahrten und Übernachtungen in State Parks. In den Städten unterwegs kann ich meist meinen Proviant auffrischen und Mittagspause einlegen, zum Übernachten suche ich dann lieber die State Parks an der Küste auf. Sie liegen meist sehr idyllisch am Rande des Pazifik oder eines kleines Sees und bieten viel Natur. In diesen naturbelassenen Bereich sind die Stellplätze für die riesigen Wohnmobile (RV) und Zeltplätze integriert. Für "Hiker und Biker" wie mich gibt es einen extra Platz, der immer frei gehalten wird, selbst wenn der Platz ausgebucht ist. Er kostet nur 4$ pro Person und Nacht. Das ist unschlagbar gegen die Angebote von Motels, die bei 30$ anfangen. JHs gibt es an der Küste Oregons leider keine mehr...

Meine Unterwegsstationen in der letzten Woche waren: Elma - Centralia - Kelso - Longview - Westport - Astoria - Seaside - Manzanita - Tillamook -Netarts - Lincoln - Newport - Waldport - Yachats - Florence - Reedsport - Northbend.

In keiner dieser Städte habe ich - wie gesagt - übernachtet, außer in Seaside in der JH. Sie ermöglichte die erste Wäsche und versorgte mich mit warmem Essen, das ich in der Hostel-Küche selbst kochen konnte. Die Probleme mit dem Gaskocher konnte ich erst gestern endgültig lösen, indem ich einen amerikanischen Kocherasufsatz gekauft habe, der auf die Coleman-Kartuschen passt. Die in Astoria besorgten Camping-Gas-Kartusche blieb immer undicht, sei es, dass die Norm geändert wurde, sei es , dass mein Aufsatz zu alt und verrostet ist. Nun gibt es abends wieder regelmässig warmes Abendessen und morgens einen heißen Tee zum Frühstück.

Jeden Abend baue ich also mein Zelt auf, richte mich wohnlich ein und nutze dann meist die verbleibende Zeit zum Beobachten des Sonnenuntergangs im Pazifik (Westen !). Meist vrschwindet die Sonne jedoch oberhalb dees Horizonts in der obligatorischen Dunstschicht über dem Pazifik. Dennoch bleibt ein wunderbares Farbenspiel. Dieses war im "Cape Lookout State Park" besonders beeindruckend. Dort liegt der Hiker und Biker Platz direkt am Strand.

Vom Wetter wurde ich bisher verwöhnt. In Washington war es fast zu heiß, ein "Jahrhundertsommer" wie die Leute sagten. An der Oregon Coast weht immer der frische Seewind. Nachts wird es daher oft kühl, manchmal ist es morgens dann bewölkt oder neblig. Bis auf die letzte Nacht blieb es jedoch immer trocken. Heute morgen um 4:00 Uhr weckte mich ein drohendes Gewitter. Es ist zum Glück am Campingplatz weitgehend vorbeigezogen. Dennoch war heute morgen das Zelt nass und alles andere klamm. Das muss beim nächsten Stopp wieder trocknen.

Die Straße 101, der ich seit Astoria an der Küste folge ist sehr unterschiedlich stark belastet. Sie führt als "Scenic highway" zu vielen Aussichtspunkten an der Küste, wird aber zur Zeit von vielen RVs und anderen Urlaubern befahren. Die Zahl der Trucks hält sich in Grenzen. Eigentlich sollte ich über die ganze Strecke auf dem durchgehend asphaltierten Seitenstreifen fahren. Der ist aber dermaßen mit Glasscherben übersäht, dass ich doch immer in der Nähe der weissen Linie fahre. Das zwingt die Autofahrer dann doch zum Ausweichen, zum Teil über die doppelt durchgezogene Linie. Die meisten tun das bereitwillig, nur einige "Erzieher" fahren hupend extra knapp an mir vorbei und scheren vor mir auf den Seitenstreifen ein. Auch die wenigen Trucks überholen meist sehr knapp. Ich erkenne sie inzwischen wieder am Motorengeräusch, das sehr viel leiser (!) ist, als das der meisten Pickups.

Die Küste Oregons ist sehr beeindruckend: Steilküste mit senkrechten Felswänden wechselt mit sanften Dünenlandschaften. Von den Aussichtsterrassen hat man jedesmal einen schwindelerregenden Blick in die Tiefe, wo die Wellen des Pazifik gegen die Felswände branden. Bei Ebbe bleibt jedoch meist ein begehbarer Strandbereich vor den Felsen frei. Ein Nature Trail führt dort an er gesamten Küste Oregons entlang. Die Dünen sind im Augenblick richtige Berglandschaften. Gestern sass ich auf einer über 100m hohen Düne und konnte die Wüstenlandschaft bis zum Pazifik bewundern. Hinter den Dünen liegen oft Süßwasserseen, die sich durch Rückstau der Flüsse oder als Grundwasserseen gebildet haben. Dort ist dann jedesmal ein Picknickpark oder ein State Park mit Campingplatz angelegt.

Die Fahrtanstrengungen sind entsprechend abwechslungsreich. Auf die Klippen hoch gibt es regelmäßig einen steilen Anstieg, der mich - wegen des hohen Gepäckgewichts - zum Schieben zwingt. Bisweilen werden im Radführer auch Nebenstrassen, meist die historische 101 empfohlen. Die sind dann zwar autofrei, dafür aber noch windungsreicher und steiler. Dann gibt es wieder Abschnitte, wo mich der Rückenwind über die schnurgerade Hauptstrasse schiebt, sodass ich schnell voran komme. Überhaupt weht der vorherrschende Wind aus Nordwest, d.h. schiebt meist an oder weht von der Seite. In jedem Fall bläst der Wind die Autoabgase weg, sodass ich nur den frischen Seewind atme.

Ein besonderes Abenteuer sind die "Historical Bridges", die erst 1934 über die großen Buchten gebauten Hochbrücken. Sie sind meist über 2 km lang und besitzen eine Rampe auf beiden Seiten, um die nötige Durchfahrthöhe für Seeschiffe zu erreichen. Natürlich hat 1934 noch niemand an den "Bike Trail" gedacht, sodass kein Seitenstreifen vorhanden ist. Wenn ich dann mühsam im ersten Gang hochtrete, muss so mancher Truck dann hinter mir her zuckeln oder auf eine Lücke im Gegenverkehr achten, um an mir vorbei zu kommen. Vorteil dabei ist, dass der überholende Verkehr sehr langsam an mir vorbei fährt. Fünf solcher Brücken gibt es, nur eine wurde bisher durch eine neue vierspurige ersetzt.

Mein Ziel heute ist Bandon. Dort hoffe ich, ein "Hostel" zu finden, das mir ermöglicht, mal wieder in einem richtigen Bett zu schlafen und meine Wäsche zu waschen.

Viele Grüße aus Oregon

Joachim


[Übersicht] [nachfolgender Bericht]